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19.05.09|Lebendiges Brauchtum: Ringreiten19.05.09|Lebendiges Brauchtum: Ringreiten

Wenn alljährlich zwischen Mai und August im Sylter Osten sogenannte Galgen errichtet werden, so schlägt dort nicht etwa Verbrechern das letzte Stündlein. Das einzige, was am "Galgen" baumeln wird, ist ein winziger Messingring. Diesen aus dem Galopp mit einer Lanze aufzuspießen, ist die Aufgabe der Sylter Ringreiterinnen und Ringreiter. Acht Vereine – fünf Männerclubs und drei Amazonenriegen – pflegen diesen Sport, der an mittelalterliche Ritterspiele erinnert und auf der Insel bereits seit 1861 gute Tradition ist.

Insgesamt neun Turniere werden 2009 zu folgenden Terminen ausgetragen: 31. Mai (Archsum, Dorfwiese), 7. Juni (Keitum, Festwiese am Ortseingang), 21./22. Juni (Morsum, Kurpark), 5./6. Juli (Keitum), 12./13. Juli (Morsum), 26./27. Juli (Keitum), 9./10. August (Morsum) sowie 16. August (Morsum). Den fulminanten Abschluss bildet am 30. August das Amtsringreiten in Morsum. Dorthin entsendet jeder Verein vier Mitglieder, um den erfolgreichsten Einzelreiter und die beste Mannschaft zu ermitteln.

Die Turniere beginnen jeweils am frühen Nachmittag und dauern etwa vier Stunden. Zunächst werden gestiftete Preise ausgeritten, bevor es dann um die drei begehrten Würden geht: Prinz(essin), Kronprinz(essin) und König(in). Wem es gelingt, als erster zum dritten Mal den Ring aufzuspießen, erhält den jeweiligen Titel. Dabei gilt: Je höher die Würde, desto kleiner der Ring am "Galgen". So misst der Prinzenring im Durchmesser 24 Millimeter, beim Kronprinzenring sind es nur 19 Millimeter, und der Königsring bringt es gerade mal auf 13 Millimeter.

Die Ringreitturniere erfreuen sich nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Gästen großer Beliebtheit. Unkundige Zuschauer werden dabei von einem Moderator auf dem Laufenden gehalten. Für das leibliche Wohl ist am Rande der Turnierplätze bestens gesorgt, und da mit Musik bekanntlich alles besser geht, wird jede Veranstaltung von einem Musikverein untermalt.

Die Philosophie des Ringreitens indes hat im Laufe der Jahrzehnte an Aktualität nichts eingebüßt: "Zu unserer Tradition gehört vor allem die Kameradschaft untereinander und die Verbundenheit mit dem besten Freund des Reiters. Auch im technischen Zeitalter räumen wir dem Pferd seinen angestammten Platz als treuer Begleiter ein", lautet der Grundsatz der Sylter Ringreiter.

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